Figuralchor

Musik und mehr... - immer gerne mit dem Figuralchor der Gedächtniskirche in Stuttgart

von Ute Harbusch - Kesseltöne.






(Foto A.G.)

zum Sommerkonzert am Sonntag, den 21.06.2026, 18.00 Uhr (Link) in der Gedächtniskirche Stuttgart.

Auf dem Programm standen die "Misa a Buenos Aires - Misatango", also die Tangomesse von Martín Palmeri, und "Membra Jesu Nostri" von Dietrich Buxtehude, beide Werke über 300 Jahre seit ihrer Erschaffung auseinander.


"Wer Palmeris Tangomesse mit Buxtehudes "Membra Jesu Nostri", also Barock mit südamerikanischen Rhythmen in eine Aufführung packt, und das dann noch durcheinander mischt, muss verrückt sein." - war bei manchem der erste Gedanke bei der Vorstellung des Konzepts von Alexander Burda. Das gab es so noch nie. Für Puristen dürfte allein schon der Gedanke daran als eine Sünde gelten, die tief in die musikalische Hölle führen muss.


(Foto A.G.)

Zum Glück ist bisweilen der Geist flexibel und das Publikum aufgeschlossen: Rund 300 Besucher lösten nicht nur eine Eintrittskarte für solch ein Abenteuer bei allerbestem Hochsommerwetter in der nicht klimatisierten Gedächtniskirche; fast alle zeigten sich im Anschluss daran über die Konzeption begeistert: Der Kontrast und die Abwechslung wurde fast durchgängig und buchstäblich als "einmalig" und "belebend" wahrgenommen, die beiden Werke mit ihrer Spieldauer von mehr als einer Stunde und 40 Minuten "zum Glück" nicht einfach hintereinander gespielt...

Die Musik selbst und zahlreiche Gänsehautmomente machten die Aufführung zu einem Highlight - für das Publikum wie auch für die Musiker und Künstler selbst. "Eines der bewegendsten Konzerte meines Lebens", war der erste Kommentar einer langjährigen Konzertgängerin. "Wer heute nicht dabei war, hat etwas verpasst", war gleich mehrfach zu hören. Langer Applaus, Standing Ovation.


Gelungen war da das, was Alexander Burda in seiner Begrüßung hervorhob: Ein "Zusammenkommen in der Kirche, um gemeinsam Musik zu machen oder ihr zuzuhören und gemeinsam den Spuren und Verbindungen nachzugehen", die im Barockstück das Leiden Jesu körperlich nachzeichnen und den Messtext in unsere Zeit transformiert.

Dabei war das nicht gerade absehbar, die Resonanz im Vorfeld unsicher, viele Beteiligte skeptisch. Den Wechsel von Frühbarock und moderner Messe im Tangostil gleich mehrmals am Abend zu vollziehen, erschien nicht nur intellektuell, sondern auch sängerisch ausgesprochen herausfordernd und gewagt.

Dennoch gelang dieser Spagat: Präzise Sprache in Buxtehudes Kantaten, präzise Rhythmen in Palmeris Messe, die Stimmgruppen (trotz deutlich unterschiedlicher Besetzungsstärke) gut ausbalanciert. Homogener Bass, strahlender Sopran, ausmalende Mittelstimmen - beeindruckend, wie die Proben, die regelmäßig eine Mischung aus Vortrag über die Musik, die Struktur der behandelten Abschnitte, Harmonien und unendliche Querbezüge mit steter Stimmbildung verbinden, für einen geschlossenen, runden Chorklang sorgen, der den Vorstellungen des Chorleiters immer näher kommt. Und das bei durchweg nicht gesanglich studierten und daher auch nicht beruflich im Fach tätigen Sängerinnen und Sängern. Unabhängig von den 100 Minuten Spieldauer in etwa 35°C Sommerhitze und Scheinwerferlicht war das Ergebnis - wie schon am Vortag in Gerlingen - eindrucksvoll.


(Foto A.G.)

Dazu kam rein zufällig im Vorfeld noch die Idee, die Messe durch Franziska und Thomas Rometsch als Tangopaar unterstützen zu lassen - oder mit anderen Worten: ein Gesamtkunstwerk auf die Kirchenbühne zu stellen - das Publikum nahm auch das dankbar an.


(Foto: A.G.)

(Foto: via C.D.)

In all das gliederten sich auch die Solisten ein: Ausgeglichen im Format, harmonisch in der Gruppe, und abwechslungsreich in den Arien - das Publikum folgte ihnen bis zum Ende konzentriert, ja fast wie gebannt.


(Foto: mit freundlicher Genehmigung: Paul Jacot)

Nach dem Konzert eine Sängerin in der Umkleide: "Was Alex da hervorgezaubert hat, war wieder Wahnsinn" - Genie und Wahnsinn liegen bisweilen eng beieinander.

P.S. Hans-Christoph Rademann, Akademieleiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, hatte sich im Vorkonzert am Vorabend in der Petruskirche in Gerlingen überraschend interessehalber eingefunden, bis zuletzt gelauscht, und im Anschluss dem Konzept wie seiner Ausführung Respekt gezollt, was besondere Freude und Dank für die Auszeichnung auslöste.





So titelte pfiffig wie treffend bereits Mein Wochenblatt
im kulturellen Newsletter "Kultur Rems Murr" der Waiblinger Kreiszeitung,
zum Sommerkonzert, den man auch hier abonnieren kann (empfehlenswert).





Die Rheinpfalz, Gertie Pohlit, berichtet am 20.05.2025 im Vorfeld zum Programm (zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken):

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