Denis Pisarevskiy an der Orgel und Sebastian Triebener am Cello gaben an diesem Tag mittags in der Reihe "Stiftsmusik" ein kleines Konzert mit einem vielseitigen, originellen (und dennoch weihnachtlichen) Programm, das man schon hier (Link) noch einmal einsehen kann.









Am Samstag, 08.11.2025, 20.00 Uhr gab der Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart mit der Kammerphilharmonie Mannheim unter der Gesamtleitung von Alexander Burda ebenda
- Felix Mendelssohn, Der 42. Psalm, "Wie der Hirsch schreit" und
- Louis Spohr, Oratorium: Die letzten Dinge
(hier der Link zu den Materialien zu Komponist und Werk; besten Dank für die Empfehlung unter Hinweis hierauf auch an die Stuttgarter "Kesseltöne" / Uta Harbusch)
mit den Solisten:
Anne Schneider, Sopran
Anne Greiling, Alt
Stephan Frieß, Tenor
Thomas Scharr, Bass,
in der musiktraditionsreichen Gedächtniskirche.
Konzertkurzkritik:
Das Publikum war begeistert, die Solisten überzeugten mit geradlinigem, engagiertem Vortrag und durchweg außerordentlichen, brillianten Stimmen, die auch im Zusammenspiel miteinander harmonisch und sehr ausgeglichen wirkten, der Chor mit durchsichtigen Klängen, angenehmer Klangfarbe und immenser Dynamik, das Orchester wurde als hochprofessionell empfunden, all das unter souveräner Führung von Alexander Burda. Viele "Gänsehautmomente", großer Applaus.

Ein Teil des Figuralchors folgte dieser netten Einladung des Konzertchors Rhein-Sieg am Wochenende Samstag, 01.11.2025 und Sonntag 02.11.2025 in die Kölner Region mit dem Schwerpunkt "Duruflé" mit viel Freude - hier bei der Generalprobe vor Ort auf der Orgelempore in St. Aposteln, Köln (Fotos: S.L.):
Und hier am 02.11.2025 in St. Simon und Judas in Hennef:

(Foto: Günther Münch)
Herzlichen Dank für die freundliche Aufnahme, die Abendstunden nach dem Konzert am Samstag und natürlich dafür, an der Musik in beiden Konzerten mitwirken zu dürfen!
Der Figuralchor freut sich auf die Fortsetzung des gemeinsamen Musizierens in 2026 - in Stuttgart.
Ab 19.00 Uhr in der Himmelfahrskirche München-Sendling zur 18. Sendlinger Orgelnacht spielte neben Paul Tarling und Tobias Frank auch unser Organist Denis Pisarevskiy auf der dortigen Eule-Orgel aus dem Jahr 1994, auf die man hier via Wikimedia oder einfach via Goolge einen Blick werfen kann.
Der Abend folgte einem netten Rhythmus: Die Organisten folgten aufeinander etwa im 20-Minuten-Takt, der so etwa drei Mal (mit unterschiedlichen Stücken) zyklisch durchlaufen wurde, begleitet von stimmungsvollen Lichtinstallationen.
Auf der Gemeindewebsite (Facebook) finden sich hierzu mehrere eindrückliche Bilder:
Ein Highlight "zwischendurch" war die Abendmusik in der Gedächtniskirche am 11.10.2025, 19.00:
Sie begann mit den Mozart-Variationen von Max Reger, in denen er das Thema des ersten Satzes der bekannten Klaviersonate Nr. 11 in A-Dur, KV 331, einen Variationensatz, in ein Orchesterwerk zwischen Spätromantik und Moderne verarbeitete, nun in einer Weiterbearbeitung für Orgel und Klavier von und mit Denis Pisarevskij an der Orgel, und am Klavier gleichermaßen souverän Evgeny Alexeev. Bravi, großer Applaus.

(Evgeny Alexeev und Denis Pisarevskiy)
Hierauf folgte die Cantique de Jean Racine von Gabriel Fauré für vierstimmigen Chor und passend dazu die Cantique für Sopran und Klavier von Paul Vidal für Sopran und Klavier mit der Solistin des Abends, Nora B. Hagen, begleitet von Evgeny Alexeev.
Sie leiteten dann auch mit "Dem Unendlichen" auf Franz Schubert über, worauf der Figuralchor mit Nora als Solistin und Denis am Klavier präzise und fulminant mit Mirjams Siegesgesang das Konzert beschloss.
Ein Abend, den jeder, der dabei war, in bester Erinnerung behalten wird.
Der Eintritt war frei, Spenden erfreuten, herzlichen Dank hierfür an alle Beitragenden, daneben insbesondere an den Förderverein, der die Anschaffung des sich gut einfügenden Flügels ermöglichte, zudem allen ideellen Helfern im Hintergrund und natürlich einmal mehr der Magdalenengemeinde selbst, die diese außerordentlichen Musikdarbietungen als Teil der Kirchenmusik möglich macht!
Die Magdalenengemeinde Stuttgart hat eine neue Pfarrerin, Sandra Weller-Steinmetz, für die Waldkirche und ihren Mann, Pfarrer Jochen Weller für die Gedächtniskirche. Sie stellen sich hier gemeinsam vor (Link).
Wer die sympathische Familie noch nicht kennt, findet zudem hier beim Schwarzwälder Boten einen Blick ins Familienalbum (zum ganzen Artikel über den Abschied der Familie aus Dietersweiler im Landkreis Freudenstadt geht es hier (Bezahlschranke)).
Dieser Tage fanden die Amtseinsetzungen statt. Letzten Sonntag, den 05.10.2025 freute sich der Figuralchor, zum Gottesdienst zur Investitur von Jochen Weller in der Gedächtniskirche ein wenig beitragen zu können, nämlich drei Choralsätze zu Gemeindeliedern und das Kyrie aus der Messe solennelle von Louis Vierne mit Denis Pisarevskiy an der Orgel, der zudem auch mit einer Bach-Fuge im Orgelnachspiel brillierte.
In seiner Vorstellung ließ Jochen Weller seine Liebe zur und seine Freude an der Musik wissen und spüren, und zwar weit gefächert "von klassisch über Jazz bis hin zum Rock", die offenbar auch die ganze Famlie teilt.
Seine Predigt zu Jesaia 58, Verse 7-12 forderte zusammenfassend dazu auf, nicht nur gefällig zu reflektieren, sondern konkret zur Tat zu schreiten.
Wir freuen uns danach darauf, gemeinsam in unserer Runde im Figuralchor zu singen, Musik zu erarbeiten, zu präsentieren, und dabei einfach beisammen zu sein!
(Pfarrer Jochen Weller, rechts, mit Chorleiter Alexander Burda)
Ihnen und Ihrer Familie Gute Ankunft und viel Erfolg hier in Stuttgart!
ist das Thema dieses Benefizkonzerts zu Gunsten der Orgel der Evangelischen Martinskirche in Oberesslingen (Anfahrt) am kommenden Sonntag, den 28.09.2025 um 19.00 Uhr in der Kirche St. Martin, in der ungewöhnlichen, aber vielversprechend entspannenden Besetzung Flöte - Horn - Orgel.
Es musizieren drei hervorragende Musiker:
Sophie Roth - Flöte, Heidi Maier - Horn, und Denis Pisarevskiy an der Orgel.
Der Hintergrund ist ein ganz ähnlicher, wie er in absehbarer Zeit wohl auch für unsere Orgel anstehen dürfte: Die Orgel von St. Martin ist wartungs-, überholungs- und reparaturbedürftig, es braucht Arbeiten, die sich dort auf einen mittleren fünfstelligen Betrag summieren, der offensichtlich nicht aus dem regulären Etat der Gemeinde allein finanziert werden kann.
Eintritt frei, Spenden erfreuen!
Blick hinter den Orgelprospekt, also durch die Orgelpfeifen der ersten Reihe.
Und eine kurze Zusammenfassung der Disposition:

Was dann auf dem Spieltisch etwa so aussieht:

Aus den Auftragsbüchern des Orgelbauunternehmens E.F. Walcker & Cie, Ludwigsburg, die nach der Insolvenz dieses Traditionsunternehmens kurz vor der Jahrtausendwende im Wirtschaftsarchiv des Landes Baden-Württemberg verwahrt werden, ergibt sich, dass insgesamt 2.861 Orgelpfeifen verbaut sind.
Die Gaechinger Cantorey gab am Samstag, 20.09.2025 um 19.00 Uhr
(Einführung ins Programm vorab um 18.20 Uhr mit Hans-Christoph Rademann und Dr. Mar Alonso)
(hier der Link zum Konzerthinweis der Bachakademie)
Johann Sebastian Bach
Kantate BWV 17 »Wer Dank opfert, der preiset mich«
Kantate BWV 35 »Geist und Seele wird verwirret«
Kantate BWV 164 »Ihr, die ihr euch von Christo nennet«
Kantate BWV 19 »Es erhub sich ein Streit«
Mitwirkende:
Catalina Bertucci, Sopran, Marie Henriette Reinhold, Alt, Daniel Johannsen, Tenor, Matthias Winckhler, Bass, Gaechinger Cantorey, Hans-Christoph Rademann, Dirigent

(Foto: Holger Schneider; mit freundlicher Genehmigung der Internationalen Bachakademie)
Ein beeindruckendes Konzert, bei dem buchstäblich nur 12 Sängerinnen und Sänger, darunter freilich auch die 4 Solisten, den Kirchenraum erfüllten und stets im akustischen Gleichklang mit dem Orchster agierten. Die Einführung gab zudem einen kleinen Führer zu den Besonderheiten und Höhepunkten der vier Kantaten vorab. Hohe Präzision und Verständlichkeit erschienen wie selbstverständlich. Zusammengefasst war der Abend ein mit Worten kaum zu beschreibendes, musikalisches Gesamtkunstwerk.
Standing Ovation, zu Recht.

Verbunden war damit übrigens eine Audioaufnahme, die im Rahmen des Projekts "Vision.Bach" zu den bereits erschienenen Kantaten bei hänssler CLASSIC erscheinen wird; mehr dazu gibt es z.B. hier über diesen Kritiker-Podcast (ca. 19 Minuten) von Bernhard Schrammek auf Radio3 (rbb), und wer sich auch noch zeitgemäß visuell inspirieren lassen will, hat womöglich auch noch Freude an diesem "fetzigen" Drohnen-Trailer:
In der Begrüßung wies Prälat Martin Klumpp kurz, aber prägnant auf die Bedeutung unserer Gedächtniskirche als Ursprungsort der Kantatengottesdienste unter Helmuth Rilling (92) hin (von dem er zudem Grüße ausrichtete), zugleich auf ihre Geschichte und die Bedeutung des "Gedächtnisses" in ihrem Namen, nicht nur, aber auch angesichts der Zerstörung in und ihres Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg.
Kurz: Ein lohnenswerter Abend "zu Hause".
(Foto: Timo Kabel)
[Im Rahmen des Gottesdienstes zur Investitur des neuen Pfarrers der Gedächtniskirche, Jochen Weller
Sonntag, 5. Oktober 2025, 09.30 Uhr, Gedächtniskirche Stuttgart (noch nicht final)
- Drei Choralsätze a capella im Rahmen des Gemeindegesangs
- Louis Vierne, aus der Messe solennelle für Chor und Orgel: 1. Kyrie]
[Konzert zur Einweihung des Emporenflügels (im Rahmen der Abendmusiken der Magdalenengemeinde)
Samstag, 11. Oktober 2025, 19.00 Uhr, Gedächtniskirche Stuttgart
- Franz Schubert, Mirjams Siegesgesang, Kantate op. 136, D 942
- Gabriel Fauré, Cantique de Jean Racine
u.a.]
[Gemeinschaftskonzert mit dem Konzertchor Rhein-Sieg
Samstag, 1. November 2025, 18.00 Uhr, Köln, Baslika St. Aposteln und
Sonntag, 2. November 2025, Hennef, St. Simon und Judas (Beginn voraussichtlich 17.00 Uhr)
- Maurice Duruflé, Vier Motetten (Quatre motets sur des thèmes grégoriens)
- Maurice Duruflé, Requiem op.9
- Anton Bruckner, Tota pulchra es Maria]
[Herbstkonzert des Figuralchors mit der Kammerphilharmonie Mannheim
Samstag, 8. November 2025, 20 Uhr, Gedächtniskirche Stuttgart
- Felix Mendelssohn-Bartholdy, Psalm 42 - "Wie der Hirsch schreit"
- Louis Spohr, Die letzten Dinge, Oratorium]
[Gottesdienstmusik zum 1. Advent in der Gedächtniskirche
Sonntag, 30. November 2025, 09.30 Uhr
Johann Sebastian Bach, Kantate Nr.62 "Nun komm, der Heiden Heiland"]
Christvesper in der Gedächtniskirche
Mittwoch, 24. Dezember 2025, 17.30 Uhr
Camille Saint-Saens, Weihnachtsoratorium (Auszug).
etwa: "Du bist vollkommen schön, Maria", "... ist ein altes christliches Gebet, das seit dem vierten Jahrhundert nachgewiesen ist. Es ist aus Versen des Alten Testamentes zusammengesetzt, die auf Maria bzw. ihre unbefleckte Empfängnis gedeutet werden..."
(Das und mehr dazu, einschließlich Übersetzungsvorschlag bei Wikipedia.de).
Gleich zwei Vertonungen stehen derzeit bei uns an:
-
Einmal von Maurice Duruflé - die 2. Motette
aus den Quatre motets sur des thèmes grégoriens, op. 10, und von -
Anton Bruckner, Antiphon Tota pulchra es, WAB 46, hier der Notentext
(aus dem "ChoralWiki, home of the Choral Public Domain Library", freie Lizenz),
hier mit dem Monteverdi Choir unter John Eliot Gardiner,
Julian Podger, Tenor und Ian Watson an der Orgel (2001):
2023 Künstler "of Residence" der Ludwigsburger Schlossfestspiele,
läuft mir seither immer wieder über den Weg:
Erst vor ein paar Tagen zufällig im Auto in BR4-Klassik "Meine Musik", leider nicht mehr online nachhörbar, dennoch will ich ein paar der vielfältigen musikalischen Querverweise und Musikbeispiele von den Regensburger Domspatzen bis hin zu ebenso zufällig auch Duruflés "Ubi caritas" (im Player des BR bei 11:24:12) als Beispiel der englischen Chortradition, der Königsjodler von Fredl Fesl u.v.a. rund um ein ruhiges, unaufgeregtes Interview, in dem es auch um das Musikbusiness heutzutage geht (und damit implizit natürlich auch darum, wie man sich vermarktet).
Mehr zum Sänger (via Wikipedia) / (english version).
Und hier noch Benjamin Appl mit Franz Schubert, Der Wanderer an den Mond, D. 870
(hier der Text mit Anmerkungen bei Schubertlied.de), begleitet von James Baillieu:
Vorab zur Kurzinfo über das Stück via Wikipedia.
---
Zum Hören, Mitsingen oder Üben, empfehle ich diese Aufnahme:
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius mit den Solisten Ruth Ziesak, Helene Schneiderman, Christoph Pregardian, Gotthold Schwarz (und Jan Kobow und Adolph Seidel im Quintett).
I. Coro "Wie der Hirsch schreit"
II. Aria (S) "Meine Seele dürstet nach dir"
III. Recitativo (S) "Meine Tränen sind meine Speise" und S mit Coro "Denn ich wollte gern hingehen"
IV. Coro "Was betrübst du dich, meine Seele"
V. Recitativo (S) "Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir"
VI Quintetto (Solo STTBB): "Der Herr hat des Tages verheißen seine Güte"
VII. Schlusschor: "Was betrübtst du dich, meine Seele"
Wir singen aus der Carus-Ausgabe 40.072/03 (im aktuellen Druck dunkelblaues Deckblatt).

Für dieses Werk hat Carus übrigens ein Set Übungsdateien eingespielt.
Und für "Digitalsänger" gibt es hier eine recht ordentliche Digitalpartitur via imslp.
Ich muss offen zugeben: Als ich Alex zum ersten Mal von "Melismen" (Erklär-Link) reden hörte, war das für mich reines "Fachchinesisch", das auf der Liste der nachzuschlagenden Begrifflichkeiten landete.
Aus dem Zusammenhang ließ sich freilich schon erahnen, was dahinter steckte und immer wieder angestrebt wird, nämlich seine Idee von Klang und Qualität der Tongebung:
Auch bei übergebundenen Silben oder Vokalen soll der Klang der Stimme nicht auf jedem neuen Ton neu aufgebaut werden, sondern quasi wie unter einem langen Bindebogen kontinuierlich gestützt dahingleiten. Umgekehrt werden damit Akzente, die den musikalischen Gedanken unterbrechen könnten, auf den einzelnen Noten vermieden, im Extremfall von Koloraturen natürlich erst recht das berühmt-berüchtigte "Hecheln" von Passagen.
Ein produktives Arbeitswochenende in 5 großen Sessions mit 47 Sängerinnen und Sängern liegt hinter uns:
- Louis Spohr: Die letzten Dinge
- Felix Mendelssohn: Der 42. Psalm ("Wie der Hirsch schreit...")
- Franz Schubert: Mirjams Siegesgesang
- Gabriel Fauré: Cantique de Jean Racine
- Maurice Duruflé: Quatre Motets
- Anton Bruckner: Tota pulchra es (1878)
und dazu ein Blick in
- Johann Sebastian Bach: Motette "Der Geist hilf unser Schwachheit auf", BWV 226
Gute Gelegenheit, sich untereinander besser kennen zu lernen, diesmal im (zufälligen) Rahmenprogramm: der Uracher Schäferlauf.

(Foto: A.E.)
Diesmal im Stift Urach, nächstes Mal in Kloster Schöntal...
Die Gedächtniskirche in Stuttgart ist ein akustisches Kleinod. Denn der Klang ist in diesem Raum außerordentlich gut: Glasklar und dennoch nicht matt, nie "verwaschen" und niemals "verhallt"; hier bietet ein mittelgroßer, konzertanter Raum akustisch hervorragende Klangerlebnisse.
Mein erstes Konzert in dieser Kirche war deshalb eine kleine Offenbarung: Tags zuvor hatten wir noch im Straßbourger Münster gesungen. Dort verloren sich Gesang und Orchesterstimmen im Raum, wo der Schall erst nach gefühlter Ewigkeit mehrerer Sekunden reflektiert wurde und sich so fast durchgehend der Sound mehrerer Sekunden überlagerte - klangtechnisch ein absolutes Kontrastprogramm...
Ich spekulierte damals, dass der junge Kantor Helmuth Rilling womöglich deshalb gerade diese Kirche für den Start seiner sukzessive verwirklichten, großen musikalischen Pläne gewählt haben könnte. Auf der Suche nach Informationen zur alten wie neuen Kirche gibt es hierauf durchaus Hinweise:
Die Kirche war ursprünglich 1896-1899 erbaut worden (als Stiftung des Chemikers Julius von Jobst) und im 2. Weltkrieg 1943 bei einem Luftangriff weitgehend zerstört worden (Fotos hierzu, darunter das Nachfolgende). Clarissa Soder, unsere Mesnerin, hat hierzu eine eigene Fotodokumentation in der Eingangshalle der Kirche ausgestellt.
(Foto: Archiv des Landesamts für Denkmalpflege Esslingen (Bildausschnitt) - Blick vom Gemeindehaus in der Seidenstraße nach oben)Bis 1957 wurde sie in neuem Gewand wieder aufgebaut, nur der alte, beschädigte Turm blieb zum Gedenken stehen und wurde neu ummantelt (die Spitze sieht man heute noch herausragen), der Platz des alten Kirchenschiffs wurde angehoben und zum Vorplatz der neuen Kirche, das neue Schiff vom Turm aus nicht mehr nach Westen, sondern neu nach Norden ausgerichtet.
(links: Postkarte Verlag L. Schaller 1899; beide Fotos sind in etwa gleicher Himmelsrichtung ausgerichtet)Der Bau startete 1954 mit einem Architektenwettbewerb, die tatsächlichen Bauarbeiten im Frühjahr 1956, Die Details des Innenausbaus wurden allerdings erst Mitte 1957 festgelegt. Helmuth Rilling, der zum 1. September 1957, gerade 24-jährig, zum neuen Kantor bestellt wurde - und noch in diesem Jahr den Figuralchor an der Gedächtniskirche Stuttgart ins Leben rief - war dabei bereits maßgeblich an der Konzeption der Orgel beteiligt.
Es gibt aber noch weitere, unauffälligere Details:
Dr. Norbert Bongartz, zuletzt Oberkonservator, also Denkmalpfleger im Landesdenkmalamt und später im Regierunspräsidium, berichtet in seiner Beschreibung über den Neubau etwa, dass die "Rückwand" bewusst als Backsteinfassade belassen und nicht verputzt wurde, und zwar nicht wegen architektonischer Ästhetik, sondern, um den Schall aus dem nördlichen Kirchenschiff (mit dem Altarraum) weniger stark zurückzuwerfen.
Auch die (nur) leicht gebrochene Raumsymmetrie soll der Akustik förderlich sein.
Hier entstanden jedenfalls über die Jahre zahlreiche Tonträger- und Rundfunkaufnahmen, beginnend mit Orgeleinspielungen durch Helmuth Rilling selbst und sukzessive über 15 Jahre hinweg auch eines Großteils der Bach-Kantaten. Und auch derzeit wird die Kirche wieder von der Internationalen Bachakademie Stuttgart bzw. ihrem Vokalensemble, der Gaechinger Cantorey, für Aufnahmen von Bach-Kantaten genutzt - hier geht's zum ausführlichen Bericht hierüber.
Es lohnt sich allein von daher, die Gedächtniskirche musikalisch zu besuchen.
Und vielleicht macht auch dieser detaillierte Kirchenführer über die Gedächtniskirche Stuttgart, zusammengestellt aus einer Vielzahl von Quellen auf einer Seite von Andreas Keller, oder der kleine Vortrag von Dr. Norbert Bongartz zum Festgottestdienst anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Wiederaufbaus der Kirche "Was mir an der Gedächtniskirche gefällt" Appetit auf einen Besuch?
Was ist der Unterschied zwischen einem Chor und einem Klavier?
Nach der a-capella-Passage etwa ein halber Ton...
Maurce Duruflé (1902-1986) - 4 Motetten op. 10 (1960) (div. Interpreten).
0:00 - I. Ubi caritas
2:31 - II. Tota pulchra es
4:27 - III. Tu es Petrus
5:17 - IV. Tantum ergo
Eine sehr schöne Übersetzung aller vier Motetten findet sich im Programmheft zum Konzert des NDR-Vokalensembles unter Klaas Stok vom 28.04.2024, Seiten 15-17, z.B. für die erste Motette:

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